"Die Geschichte von Taira" von Eiji Yoshikawa

Aus dem Japanischen von Yutaka Hayauchi

Man kennt aus dieser kleinen Epoche von etwa fünfzig Jahren am Ende des zwölften Jahrhunderts in Japan viele historische Dokumente und damalige Literatur. In dieser Periode eroberten die Samurai von den Adeligen die Regierungsmacht. Etwa 500 Jahren davor hatte der Tenno Japan erobert und war seitdem der absolute Herrscher. Die adelige Familie Fujiwara hatte alle Regierungsämter besetzt. In der Zeit dieses Romans verloren die Adeligen langsam die Macht an die Samurai. Die Epoche stellt eine revolutionäre Zeit in der japanischen Geschichte dar. Die Samurai, zuerst Taira und dann Minamoto, erkämpften sich diese Macht durch die brutalsten Kriege. 

Die klassische Erzählung, „Die Geschichte von Taira“, entstand in der Ära Kamakura, in der der Sieger der Kriege, Minamoto, regierte. Diese klassische Erzählung wurde von den Biwa-Laute spielenden Mönchen besungen und später in Alt-Japanisch niedergeschrieben. Diese klassische „Geschichte von Taira“ ist ein in Japan hochgeschätztes Literaturwerk und wurde mittlerweile ins Englische übersetzt. Eiji Yoshikawa recherchierte die historischen Dokumente und die Tagebücher der Adeligen, die damals lebten, interpretierte die alt-japanische Geschichte nach seiner schriftstellerischen Fantasie neu und schrieb den Roman in Neu-Japanisch (Darüber in dem Kapitel „Über Eiji Yoshikawa“).

Kiyomori zum Beispiel galt bis zu diesem Roman als ein Bösewicht, der in seiner mächtigsten Zeit mit seinem Militär übermütig geworden wäre und den Tenno und den ehemaligen Tenno hätte absetzen wollen. Eiji Yoshikawa stellte Kiyomori dagegen als Mensch dar und beschrieb auch seine guten Seiten. So lebte mit Eiji Yoshikawa Kiyomori als ein lebensfroher, warmherziger junger Samurai auf, der später als unangefochtener Politiker in der Regierung des Tennos mit seinen innovativen Ideen große Verdienste zur Entwicklung Japans  erwies.

Der Mythos Samurai hat viele Beispiele in diesem Roman. Die Samurai waren treue Krieger und taten alles für ihren Herren und ihren guten Ruf. Sie kämpften bei den Schlachten gnadenlos für ihren Ruhm und erwarteten die Belohnungen dafür. Sie handelten politisch geschickt und versuchten bei den militärischen Konflikten immer auf die Siegerseite zu kommen. Anders als Eiji Yoshikawas Roman "Musashi", der ein Einzelkämpfer war und einen einzigartigen, vielleicht idealisierten und deshalb unnahbaren Schwertkämpfer darstellte, lernt man in dieser Erzählung viele Samurai kennen, die der Autor als die in den reellen Lebensumständen lebenden, daher liebenswürdigen Männer beschrieb.

Diese Kriege riefen viele Einzelschicksale von Männern und auch von liebenswürdigen, bezaubernden aber schwachen Frauen hervor. Die Geschichte ist voller Liebe, Wonne und Glückseligkeit, aber auch Neid, Intrige und Grausamkeit.

Der rote Faden dieses berühmten Romans ist der ewige Kreislauf der Veränderungen und Mitgefühl für Vergängliche aller Veränderlichen (あわれ), was in der japanischen Gesellschaft und der Literatur immer noch eine wichtige Rolle spielt. Die Menschen von damals hatten große Angst vor Reinkarnation.

Tairas Alleinherrschaft dauerte nur zwanzig Jahre und wurde von Minamoto zerstört. Die Tairas waren nach Kiyomori nicht mehr die richtigen Samurai, eher Adelige. Dagegen besannen sich die Minamotos gerade in ihrer bitteren Zeit auf ihre Stärke als Samurai. Der junge General Yoshitsune Minamoto versenkte 1185 die gesamte Flotte Tairas in das Meer von Dannoura. Nur, dieser geniale General wurde später, als sein Halbbruder Yoritomo Minamoto, der neue Shogun, die erste Samurai-Regierung in Kamakura gründete, selbst Opfer des Mordes durch ihn. Eiji Yoshikawa baute aber, so glaube ich, in dieser tristen Weltanschauung der ewigen Selbstzerstörung der Menschheit seine Friedensmission ein.

Eiji Yoshikawa schickte in der Einleitung des Buches (1) die Gesetzmäßigkeit des ewigen Kreislaufes der Veränderungen vor. Darin lautet: "Die Glocken der Tempel in Gion läuten. Es klingt nach der Vergänglichkeit aller Veränderlichen. Die Farbe der Blüten an den beiden Salbbäumen folgt der gleichen Regel, dass der Wohlstand eines mächtigen Menschen immer verlorengeht. Derjenige, der seine Macht ausnutzt, überlebt nicht ewig, als träumte er einen Traum in einer Frühlingsnacht. Selbst der stärkste Herrscher wird am Ende doch vernichtet, als wäre er ein Staub vor einem Wind..."   

Diese sehr populäre Geschichte aus Japan von Eiji Yoshikawa wurde nun erstmalig und in voller Länge in die deutsche Sprache übersetzt. Ich als Übersetzer, würde mich außerordentlich freuen, wenn deutschsprachige Leser an dieser japanischen Geschichte Spaß finden würden und ein bisschen von der japanischen Seele mitfühlen können. In der jüngsten Zeit hat man aus diesem Roman viele Verfilmungen und TV-Dramen gemacht, weil die Japaner nach den schlimmsten Ereignissen der jüngsten Japanischen Historie, dem Zweiten Weltkrieg, sich wieder auf ihre eigenen Werte besinnen wollten (Darüber in dem Kapitel „Über Eiji Yoshikawa“). Man fühlt in diesem Roman Eiji Yoshikawas starken Appell nach dem dauerhaften Frieden.

Der Band 9, "Herr Kamakura", ist erhältlich.


Die Bücher sind in diesen Bibliotheken zu leihen:

- Humbold-Uni. Berlin, Japanologie

- Uni. Heidelberg, Japanologie

- Uni. München, Fachbibliothek Englischer Garten

- Uni. Zürich, Asian und Oriental Studies, Japan,

- Japan. Kulturinstitut Köln

 

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