Asatori Abe: Sohn einer berühmten Musikerfamilie des Hofes. Er hatte sich dem Tenno Sutoku verschrieben, sich selbst zum Brunnenwächter des Palastes unter den Weidenbäumen ernannt und Sutoku treuherzig gedient. Als Sutoku im Jahre 1156 nach der Niederlage des Krieges von Hogen mit den Abtrünnigen in den Bergen um Kyoto umherirrte, brachte Asatori das Brunnenwasser in einer Bambusflasche zu ihm und bemühte sich um Sutokus Wohl. Sutoku war von seiner Treue gerührt. Asatori besuchte Sutoku auch in dessen Verbannungsort in der Provinz Sanuki, wo dieser seine Verbannung in Einsamkeit verbrachte, und spielte ihm aus der Entfernung eine schöne Melodie auf der Querflöte vor, die Sutoku außerordentlich beeindruckte und erfreute. Nach dem Krieg von Heiji im Jahre 1160 lebte Asatori in der Ochsenzüchtersiedlung und trat in die dortige Marionettenspielergruppe ein, um Geld zu verdienen. Später absolvierte er bei einem berühmten, emeritierten Hofarzt das Medizinstudium und wurde Arzt. Er half den Kranken im Armenviertel mit seiner Medizin. In dieser Zeit lernte er den Mönch Mongaku kennen. Als seine Frau Yomogi einen Auftrag ihrer früheren Herrin Tokiwa, der Mutter von Yoshitsune, annahm, führte Asatori diesen aus. Er brachte Yoshitsune Tokiwas Brief und den Nachlass seines Vaters, eine silberne Statue der Göttin der Barmherzigkeit, als dieser auf dem streng bewachten Berg Kuramayama seine Kindheit verbrachte. Eines Tages machte Asatori mit Yomogi und dem gemeinsamen Sohn einen Abendspaziergang zum Tempel Hosshoji, wo eine rätselhafte Lotosblume mit zwei Blüten zu sehen war und deswegen viele neugierige Menschen dorthin gekommen waren. Zufällig entdeckte Asatori den erwachsen gewordenen Yoshitsune auf der Straße und lief ihm nach, wurde aber von Masachika Kamata, Yoshitsunes Stammesangehörigem, verjagt. Im Jahre 1180 behandelte Asatori den Goldhändler Kichiji aus dem Norden, als dieser mit einer neuen geheimen Mission von Hidehira Fujiwara aus Hiraizumi wieder in die Hauptstadt gekommen und erkrankt war. Asatori prophezeite ihm, dass Kichiji am Ende einen gewaltsamen Tod sterben würde. Asatori erörterte, dass Kichiji immer vor einer großen Katastrophe in Erscheinung trat. Er behauptete, dass Kichiji und sein Herr Hidehira den Krieg zwischen Minamoto und Taira auf Kosten der unschuldigen Menschen möglichst in die Länge ziehen wollten. Diese treffliche Darstellung Asatoris ärgerte Kichiji so sehr, dass er Asatori zum Schweigen bringen wollte. Nur ein Steinhagel, den Asatoris Freunde auf Kichiji warfen, rettete ihn vor dem Tod. Im Jahr 1181 wurde Asatori zur Untersuchung von Kiyomori Taira in den Westen der achten Jo geholt, obwohl der todkranke Kiyomori von den namhaften Leibärzten des Hofes behandelt wurde. Doch keiner der Hofärzte war in der Lage, Kiyomoris Krankheit zu diagnostizieren oder zu heilen. Der Armenarzt Asatori war ihnen fachlich überlegen und identifizierte Kiyomoris Krankheit als Malaria. Er konnte im Gegensatz zu den Leibärzten Kiyomoris Zustand einordnen und ihn der Familie Taira erklären, aber heilen konnte er Kiyomoris Krankheit nicht. Er machte im April 1183 mit seiner Familie Urlaub auf der Insel Chikubushima auf dem Biwa-See und besuchte seinen Onkel, der dort Priester des Schreins war. Tsunemasa Taira besuchte mitten im Feldzug in der Nordischen Küstenregion zufällig die Insel Chikubushima, da der Truppenmarsch in Stocken geraten war. Dort traf Tsunemasa Asatori, bedankte sich bei ihm für die ärztliche Behandlung Kiyomoris vor dessen Tod und spielte als Dank dafür auf der berühmten Biwa-Laute Sendo. Asatori und der adelige Samurai Tsunemasa genossen eine kurze Zeit friedlichen Beisammenseins. Asatori entwickelte in der verwüsteten Hauptstadt neue Möglichkeiten für das arme Volk, sich in der Nahrungsmittelknappheit über Wasser zu halten. Er pflanzte mit armen Menschen essbare Gemüsesorten auf brachliegenden Flächen der alten Paläste, Herrenhäuser oder Tempel in der Hauptstadt und versuchte neue Pflanzen und Tiere als Nahrungsmittel zu erproben. Es half den armen Menschen, dem Hungertod zu entgehen. In der Zeit der Herrschaft von Yoshinaka Kiso lebte das Ehepaar Asatori in Sagano in der Nähe des Tempels Daikakuji. Er und seine Frau Yomogi holten Waisenkinder und Säuglinge zu sich. Mittlerweile hatten sie fast sechzig Kinder. Sie ernährten sie mit selbst angebautem Getreide und Gemüse, aber auch durch seine Dienste als Arzt. Die Tempelverwaltung Daikakuji wollte Asatori aus dem Tempelbereich vertreiben, da seine Schützlinge dem Tempel Probleme bereiteten. Der Goldhändler Kichiji, der sich zufällig im Tempel Daikakuji eingemietet hatte, sprang Asatori jedoch zur Seite und überredete den Tempel zur Verlängerung des Verbleibs des Arztehepaars und seiner Kinder. Als im Januar 1184 Yoshitsune in der Hauptstadt Yoshinaka Kiso besiegt hatte, besuchte er das Ehepaar Asatori. Sie freuten sich über ihr Wiedersehen. Asatori nahm Yoshitsunes Bitte an, in Minamotos Lager als Sanitärarzt zu arbeiten. Asatori zog in Yoshitsunes Quartier, wo Minamotos verletzte Samurai behandelt wurden.