Goshirakawa (1127 – 1192): Der 77. Tenno. Goshirakawa war ein Monarch von imponierender Statur mit strahlenden großen Augen. Er war der Königsmacher. Er ließ mehrere seiner jungen Söhne und Enkelsöhne auf den Thron steigen, aber behielt als der ehemalige Tenno alle politische Kompetenz in seiner Hand. Er führte seine Politik seit den 1150’ern von seinem Hof aus, der parallel zum Hof des Tennos existierte. Der Grundsatz seiner politischen Handlungen war stets, die politische Macht der Tenno-Familie in dem bestehenden Verwaltungssystem der Heian-Ära aufrechtzuerhalten. Anfangs konnte er die militärische Macht der Samurai der zivilen Kontrolle seiner adeligen Regierung unterstellen. Aber die Adeligen und die Familie Tenno verursachten selbstverschuldet die Bürgerkriege von Hogen und Heiji und nur das Militär der Samurai konnte den Frieden wiederherstellen. Als der neue starke Samurai, Kiyomori Taira, den Krieg von Heiji gegen Yoshitomo Minamoto gewann, verbündete Goshirakawa sich mit der Familie Taira und Taira erlebte zwanzig Jahre lang Aufstieg und Wohlstand. Goshirakawa versuchte Tairas politische Macht immer wieder zu schwächen, musste aber erkennen, dass Kiyomori mit seiner Stammesarmee, die Goshirakawa nicht unmittelbar befehligte, die Entscheidungen seiner Majestät zur Rücknahme zwingen konnte. Goshirakawa entkam der Gewaltherrschaft von Yoshinaka Kiso mit einem blauen Auge, indem er dessen Stammesbruder Yoritomo Minamoto gegen Yoshinaka Kisos Armee aufhetzte. Es sah danach aus, dass Goshirakawa mit Hilfe von Yoritomo Minamoto Taira endgültig vernichten könnte. Goshirakawa ahnte jedoch mittlerweile, dass Yoritomo anders war als Kiyomori. Kiyomori hatte im Rahmen der herrschenden Regierungsstruktur die Adeligen zu Tairas Gunsten zu beeinflussen versucht. So hatte Goshirakawa immer geeignete Maßnahmen gegen Kiyomori finden können. Yoritomo dagegen ging gründlicher vor und schien in Kamakura eine völlig neue Regierung für das ganze Land etablieren zu wollen. Goshirakawa befürchtete, der Hof des Tennos könnte zu einer reinen Verwaltungsniederlassung von Kamakura verkommen, und geriet durch Yorimoto zunehmend unter Druck.