Goshirakawa: Der 77. Tenno. Als sein Sohn, der Tenno Nijo, starb, kam sein Enkel als Tenno Rokujo auf den Thron. Tenno Rokujo musste den Thron jedoch an Goshirakawas jüngsten Prinzen abtreten, der nun Tenno Takakura hieß. Goshirakawa, der leibliche Vater des Tennos Takakura, und Kiyomori Taira, Takakuras Schwiegervater, waren zu dieser Zeit die mächtigsten Politiker des Landes, aber verfolgten gegensätzliche Ziele. Goshirakawa führte seine Politik vom Hof des ehemaligen Tennos aus, Kiyomori unterstützte die Politik des Tennos Takakura im Hof des Tennos. So schmiedete Goshirakawa im Jahre 1177 im Kreis seiner engsten Mitarbeiter einen geheimen Umsturzplan gegen Taira und hielt im Tal Shishigadani in der Nähe von Kyoto konspirative Beratungen ab. Der Umsturzplan flog durch eine undichte Stelle auf und alle adeligen Verschwörer wurden verhaftet. Goshirakawa musste sich nun wieder mit den Tairas arrangieren. Dennoch gelang es ihm, Taira immer wieder zu schwächen, und er ließ die privaten Ländereien von Kiyomoris Erben Shigemori und seiner Tochter Moriko nach deren Tod als staatlichen Besitz beschlagnahmen. Es gab weitere versteckte Angriffe Goshirakawas gegen Taira. Dann riss Kiyomoris Geduldsfaden und er griff im Jahre 1179 nach dem großen Erdbeben hart durch. Kiyomori mobilisierte dreitausend Samurai und marschierte in die Hauptstadt ein. Er stellte Goshirakawa im Sommerpalast Toba unter Hausarrest, entließ dessen engste Mitarbeiter von ihren Regierungsämtern und schaffte die Regierungskompetenz des Hofes des ehemaligen Tennos ab. Von nun an sollte der Innere Palast allein das Land regieren. In Fukuhara, wohin Kiyomori im Juni 1180 den Hof des Tennos verlegte, blieb Goshirakawa in einem Haus eingesperrt. Erst, nachdem die Tairas die Regierung im Dezember 1180 wieder nach Kyoto brachten, wurde Goshirakawas Hausarrest aufgehoben. Kiyomori musste sich eingestehen, dass Tairas Kompetenz allein das Land nicht regieren konnte, und bat Goshirakawa, den Hof des ehemaligen Tennos zu reaktivieren. Nach dem Tod von Kiyomori Taira im Jahre 1181 verhielt sich Goshirakawa milde gegenüber Taira, verfolgte Tairas militärische Einsätze gegen die Minamotos ohne eigenen politischen Ehrgeiz und beschäftigte sich im Hof unter anderem mit dem Wiederaufbau des von Taira niedergebrannten Großen Buddhas von Todaiji oder der Auswahl der besten Gedichte für die neue Gedichtsammlung „Sensai Wakashu“. So wollte er zum Beispiel privat eine Lesung der Heiligen Schriften auf Hieizan besuchen und fuhr am frühen Morgen in der Dämmerung und in Begleitung von wenigen Mitarbeitern in einer Ochsenkutsche Richtung Hieizan. Doch die Tairas hatten diese religiöse Veranstaltung als eine Verschwörung des Tempels gegen Taira missverstanden. Shigehira Taira zwang Goshirakawa zur Rückkehr zu seinem Hof im Tempel Hojuji, worauf Goshirakawa sich verärgert zurückzog. Goshirakawa war stets politisch aktiv und intrigant gewesen, war jedoch um eine einvernehmliche Beziehung zu Taira bemüht und beförderte Munemori zum Innenminister, woraufhin Munemori sich von Goshirakawa einlullen ließ. Goshirakawa unterstützte Tairas Feldzug gegen Kiso, erstellte den persönlichen Erlass zur Unterwerfung von Yoshinaka Kiso und erlaubte Taira, einen Teil der Kosten für den Feldzug von den Provinzen einzufordern. Trotzdem trauten Tairas Führungsmitglieder seiner Gesinnung nicht. Als Tairas große Armee in den Provinzen der Nordischen Küstenregion eine verheerende Niederlage gegen Yoshinaka Kiso erlitt, war Goshirakawa innerlich verunsichert, ob Taira ihn und den Tenno in der Hauptstadt vor den heranrückenden Minamotos beschützen könnte. Yoshinaka Kisos Armee rückte im Juli 1183 unmittelbar an den Rand der Hauptstadt vor. Nun musste er seine Überlebenschance in der neuen politisch-militärischen Konstellation erschließen: äußerlich mit Taira kooperieren, Kontakt zu Yoritomo aufnehmen, Yoshinaka Kiso in Schach halten und alle gegen alle ausspielen.