Yoshinaka Kiso, ein Minamoto: Geboren im Jahr 1154, hieß er als Junge Komaomaru. Sein Vater war Yoshikata Tatewaki Senjo, der Schwertträger im Palast des Frühlings; seine Mutter war Saeda, Tochter des früheren Leiters der Konoe-Garde in der Hauptstadt. Yoshinaka war innerhalb der Familie Minamoto ein Cousin von Yoritomo und Yoshitsune und der Neffe von Yukiie und Yoshihiro Shida. Sein Vater Yoshikata Tatewaki verlor im Jahre 1155 im Machtkampf innerhalb der Familie Minamoto gegen seinen Bruder Yoshitomo. Yoshitomos Sohn, Yoshihira, der gerade fünfzehn Jahre alt war, tötete auf Befehl seines Vaters Yoshikata. Der zweijährige Yoshinaka, Komaomaru, sollte ebenfalls getötet werden, doch seine Mutter Saeda fand Zuflucht bei Shigeyoshi Hatayama in der Provinz Musashi, aber auch dort war sie nicht sicher vor Yoshitomos Verfolgung. Hatayamas Stammesangehöriger Sanemori Saito half Saeda und dem dreijährigen Komaomaru aus Dankbarkeit für seinen früheren Herrn, den getöteten Vater von Komaomaru, und brachte Mutter und Sohn zum stellvertretenden Verwalter der Ländereien des Schreins in Kiso, Kaneto Nakahara (Chusan). Yoshinaka wuchs bei Kaneto Nakahara auf. Nakaie Minamoto, der der persönliche Sekretär der Nonne an der achten Jo Shoko war, und 1180 mit dem Prinzen Mochihito und Yorimasa Minamoto im Aufstand gegen Taira getötet worden war, war Yoshinakas Halbbruder. Yoshinaka war als kleines Kind ein ungewöhnlich wilder Junge. Er erlegte zum Beispiel allein in einer Nacht mehrere Wölfe, um sich dafür zu rächen, dass sie sein Lieblingspferd gerissen hatten. Kaneto zelebrierte Komaomarus Erwachsenwerden, verlieh ihm die Krone und klärte ihn bei dieser Gelegenheit über seine Herkunft auf. Yoshinaka heiratete Kanetos Tochter, Tomoe, die ihren gemeinsamen Sohn Yoshitaka gebar, als Yoshinaka zwanzig Jahre alt war. Die Aufrufschrift des Prinzen Mochihito gegen Taira wurde von Yukiie Minamoto auch Yoshinaka Kiso überbracht. Im selben Jahr (1180) erhob sich Yoshinaka im Hachiman Schrein von Miyanohara zum Aufstand gegen Taira. Direkt in seiner ersten Schlacht in Ichiharano schlug Yoshinaka eine große Armee der Taira-Anhänger nieder. In dieser Schlacht kämpfte Hankaku, das Oberhaupt des Tempels Kuridaji im Kreis Minachi, an seiner Seite. Yoshinaka lernte dabei die wildhübsche Aoi, Hankakus Adoptivtochter, kennen, die er zu seiner Geliebten machte. In der Provinz Shinano blieb Yoshinaka Kisos Armee ungeschlagen, besiegte 1181 eine große Armee von Taira, angeführt vom Gouverneur der Provinz Echigo, Nagamochi Jo, in der Schlacht am Flussufer von Yokota und besetzte die Provinzhauptstadt Naoetsu. Yoshinaka schlug alle Taira-Anhänger in den Provinzen Shinano, Echigo, Ettschu, Kaga und Noto nieder und verlegte sein Hauptquartier nach Fushiki in der Provinz Ettschu. Die Stammesführer der Umgebung meldeten sich zuhauf in Yoshinaka Kisos Lager, wo er ein noch jungfräuliches Dienstmädchen von Aoi, Yamabuki, verführte. Yoshinaka, ein junger ehrgeiziger General, hatte geniale strategisch-taktische Einfälle, war von einem groben, aber ehrlichen Wesen, und sagte seinen Stammesangehörigen wie den Vier Himmelskönigen und Yukiie Minamoto direkt seine Meinung, ohne lange um eine Sache herumzureden. Er war im tiefsten Herzen ein einsamer General, weil er als Waisenkind aufgewachsen war. Er feierte oft, trank sich dabei seine Einsamkeit und seinen Kummer weg und betrieb an kampffreien Tagen ein exzessives Liebesleben mit Aoi und neuerdings mit Yamabuki. Das politische Ziel für seinen ersten Feldzug war, als erster Minamoto, noch vor Yoritomo, die Hauptstadt zu besetzen und das Land zu regieren. Yoritomo Minamoto in Kamakura gefiel Yoshinakas kometenhafter Aufstieg in der Nordischen Küstenregion gar nicht, weshalb er persönlich eine zehntausend Mann starke Armee anführte und in die Provinz Shinano eindrang. Yoritomo, ein Stammesoberhaupt von Minamoto, erhob den absoluten Machtanspruch innerhalb des Stammes Minamoto für sich und wollte Yoshinaka unterwerfen. Nun konnte Yoshinaka sein Ziel nicht mehr verfolgen, weil seine Armee in der Provinz Shinano festsaß. Yoritomo, der ebenfalls keine freie Armee für einen Kampf mit Yoshinaka mehr hatte, weil sein Onkel Yoshihiro Shida in den nördlichen Provinzen Hitachi und Shimotsuke gegen Yoritomo aufbegehrte, bot Yoshinaka einen Waffenstillstand an, stellte aber die Bedingung, entweder Yukiie Minamoto auszuliefern oder seinen elfjährigen Erben, Yoshitaka, zur Adoption bei Yoritomo zu geben. Yoshinaka lehnte die Auslieferung von Yukiie ab, musste aber Yoshitaka als Geisel an Yoritomo geben, damit Kiso sich Tairas großer Armee in der Nordischen Küstenregion zuwenden konnte. Diese Bedingung Yoritomos war für Yoshinaka und Tomoe, die Mutter Yoshitakas, eine tiefe Demütigung und stellte Yoshinaka und Tomoe immer wieder vor die Frage, ob der Einmarsch in die Hauptstadt wirklich so viel wert war, dafür ihren gemeinsamen Sohn zu opfern. Inzwischen mobilisierte Taira im April 1183 eine über einhunderttausend Mann starke Armee und schickte sie an die Nordische Küstenregion. Diese von Koremori und Michimori Taira angeführte Eroberungsarmee Tairas schlug Yoshinakas Vorhut, die sich in der Burg Hiuchigajo verschanzt und diese mit einem künstlichen Stausee gesichert hatte. Yoshinaka, leicht angeschlagen, setzte seine gesamten Streitkräfte auf die Entscheidungsschlacht in Kurikara. Kisos Armee war gegenüber Tairas Armee deutlich in der Unterzahl. Yoshinaka griff am 11. Mai 1183 Tairas Armee, die sich mit den örtlichen Verhältnissen nicht auskannte, mit einer geschickten Überraschungstaktik an. Yoshinaka versteckte seine Truppen in den Bergen, ließ zur Tarnung eine große Anzahl weißer Fahnen, Minamotos Farbe, aufstellen, und trieb in der Nacht zahlreiche Ochsen, die an beiden Hörnern brennende Fackelhölzer trugen, in Tairas Feldlager. Durch den Nachtangriff von Kisos Armee stürzten Tairas Truppen auf ganzer Linie ins Chaos. Die meisten Soldaten ergriffen die Flucht, während viele im „Tal der Hölle“ fielen. In dieser Schlacht wurde Aoi, Yoshinakas Geliebte und Anführerin, von Yamabuki, ihrem früheren Dienstmädchen und jetzt einer einfachen Soldatin, aus Eifersucht um Yoshinakas Liebe heimlich angeschossen und schwer verletzt. Tairas Armee zog sich von den Bergen um Kurikara auf die Flachebene an der Küste zurück und baute mit den restlichen Soldaten eine beachtliche Armee auf, die nach Ataka zurückzog. Doch Kisos Armee, die sich im Aufwind befand, überrollte am 1. Juni 1183 erneut Tairas Armee in Ataka und Shinohara. Dabei starb der alte Samurai in Tairas Armee, Sanemori Saito, der damalige Lebensretter Yoshinakas. Yoshinaka geriet in seiner Verfolgungsjagd in eine lebensbedrohliche Situation. Doch Yamabuki rettete ihn aus der Not. Nach diesem überragenden Sieg Yoshinaka Kisos floh die gesamte Armee von Taira nach Kyoto. Yoshinaka verlegte sein Hauptquartier am 4. Juni 1183 nach Takefu und bereitete sich auf den Einmarsch in Kyoto vor. Er gewann durch einen Vorschlag Yukiie Minamotos, Danjonosuke Tone, einen der mächtigen Seefahrerstämme von Katata, für seine Strategie. Der Stammesführer von Katata unterstützte Yoshinaka, damit der Tempel Enryakuji auf Hieizan mit Yoshinaka Kiso kooperierte. Yoshinaka zog nun auf drei Routen in die Hauptstadt ein: Yukiie sollte die erste Armee über die Provinzen Iga und Yamato nach Kyoto führen, Yoshikiyo Ashikaga würde mit der zweiten Armee über den Provinzen Wakasa und Tamba in die Hauptstadt einmarschieren, und Yoshinakas Hauptarmee sollte die Route von Tsurugazu nach Kaizu am Biwa-See in der Provinz Omi nehmen und ihr Hauptquartier auf Hieizan beziehen.