Yoshitsune Minamoto (Kindesname Ushiwaka): Sohn von Tokiwa und Yoshitomo Minamoto. Jüngster Halbbruder von Yoritomo. Kiyomori hatte ihn nach der Schlacht von Heiji von der Todesstrafe begnadigt und ihn unter Aufsicht des Tempels Kuramadera gestellt. Er war auf dem Berg Kuramayama unter schwersten Bedingungen in Einsamkeit und Isolation aufgewachsen. Dort wurde er König Shana genannt. Doch die Untergrundkämpfer der Minamoto-Stämme, die Mitglieder des Bundes der Grassamen, unterstützten ihn schon damals. Diesen Untergrundkämpfern gelang Ushiwakas Befreiung aus dem Tempel. Ushiwaka tauchte in der Innenstadt von Kyoto in der Verkleidung eines Mädchens unter und nannte sich Enzian. Der Goldhändler Kichiji, der dieses Untergrundleben finanziert hatte, schlug ihm vor, in den Norden Japans, nach Hiraizumi zu Hidehira Fujiwara zu gehen. Auf dem Weg von Kyoto nach Hiraizumi zelebrierte er die Verleihung der Krone zu seinem Erwachsenwerden im Schrein Atsuta, wo sein Onkel das Oberhaupt war. Er nannte sich fortan Neunter Sohn Yoshitsune Minamoto. Yoshitsune entzog sich im Tempel Sensoji in der Provinz Musashi Kichijis Obhut und fand im Weideland von Tadara in der Provinz Shimousa, das der Familie von Tsuneharu Chiba gehörte, Zuflucht. Yoshitsune wurde dort Kleiner Herr von Tadara genannt. Nach mehreren Monaten der Wanderschaft im Osten Japans entschied Yoshitsune sich, doch zu Hidehira Fujiwara nach Hiraizumi zu gehen, und verweilte dort zwei Jahre. Als Kiyomoris Tochter Tokuko 1178 einen Prinzen gebar, befand Yoshitsune sich in den Bergen von Nachi in der Provinz Kii. Dort wurde er Kleiner Herr von Katata genannt. Sein Versteck wurde jedoch von den Tairas aufgespürt und er musste mit seinem Stammesangehörigen Masachika Kamata in die Hauptstadt fliehen. Auf diese Reise nahm er eine alte Frau, Same, als Hausmagd mit, die die Mutter von Benkei war. Yoshitsune lernte auf seiner Reise das Oberhaupt des Seefahrerstammes, Hayatonosuke Udono, kennen. Außerdem wurde der Fischer Saburo E sein Knecht. Zufällig traf Yoshitsune den jungen Samurai von Izu, Aritsuna Minamoto, wieder. Dieser führte Yoshitsune zu dessen Onkel Yukiie Minamoto nach Katata am Biwa-See in der Provinz Omi. Yoshitsune erfuhr dort von Yukiie, dass dieser einen falschen Yoshitsune eine Untergrundtruppe anführen ließ, und dass diese in Kyoto immer wieder Brandstiftungen und Raubüberfälle organisierte, um Tairas Herrschaft in Unruhe zu stürzen. Das Mönchsvolk von Enryakuji wurde inzwischen von den Mitgliedern des Bundes der Grassamen unterwandert und kooperierte mit dem Verband von Katata. Yoshitsune gefiel die Taktik seines Onkels Yukiie nicht; dennoch ließ er sich an die Spitze der Bande von Katata setzen und bezog eine versteckte Festung im Norden von Kyoto. Yukiies Guerilla-Taktik scheiterte, da der falsche Yoshitsune, Yukiies Sohn, und die Söhne der Katata-Stämme von der Hauptstadtpolizei unter Leitung von Tokitada Taira festgenommen wurden. Yoshitsune entschied als Chef der Untergrundorganisation, mit Tokitada Taira zu verhandeln und für die Freilassung seiner gefangenen Bandenmitglieder die völlige Aufgabe der Untergrundaktivitäten gegen Taira anzubieten. Tokitada Taira ließ sich bereitwillig darauf ein, denn er glaubte, dass die Sicherheit der Hauptstadt dadurch wiederhergestellt werden könnte. Eine Bedingung war jedoch, dass Yoshitsune sich bei der Hauptstadtpolizei stellte. So geriet Yoshitsune in die Gefangenschaft von Tokitada Taira. Tokitada schätzte die Gesamtlage um die Sicherheit der Stadt so ein, dass Yoshitsune nicht getötet werden sollte, während die jungen Adeligen der Familie Taira ihn mit Nachdruck zu Yoshitsunes Todesurteil drängten. Tokitada entwickelte einen ausgefeilten Plan, mit dem er Yoshitsune freilassen und dabei die Widerstände aus der eigenen Familie geschickt umgehen konnte. Dazu setzte er den wilden Mönch Benkei aus Musashi als Meuchelmörder ein. Er sollte Yoshitsune nach dessen Abschiedsfeier in der Nacht auf der Straße töten, jedoch gab Tokitada Yoshitsune einen Hinweis, damit er sich aus der Todesgefahr retten konnte. Doch Benkei holte Yoshitsune auf der Brücke an der fünften Jo ein. Dort fand ein Duell statt und Yoshitsune konnte sich durch seine Wendigkeit retten. Yoshitsune wusste, dass dieser Mönch der verlorene Sohn seiner Hausmagd Same war und lockte Benkei zu dem Versteckhaus, in dem Same und sein Knecht Saburo E lebten. So führte Yoshitsune Same und Benkei wieder zusammen. Yoshitsune selbst musste nach der Vereinbarung mit Tokitada unverzüglich die Hauptstadt verlassen und reiste mit Yoshimori Ise, so nannte sich nun Saburo E, nach Norden. Yoshitsune war bei seiner Abschiedsfeier in Tokitadas Haus nach vielen Jahren Shizuka begegnet, die mittlerweile eine berühmte Tänzerin geworden war. Als Yoritomo im September 1180 den Krieg gegen Taira antrat, befand er sich in Hiraizumi in der Obhut von Hidehira Fujiwara, verließ Hiraizumi, sammelte unterwegs einige Mitglieder des Bundes der Grassamen ein und meldete sich mit etwa dreißig Mann bei Yoritomos Armee am Fluss Kisegawa. Yoshitsune und Yoritomo waren von der ersten Begegnung der Brüder emotional gerührt. Yoshitsune durfte fortan in Yoritomos Armee in Kamakura als einer der Stammesangehörigen dienen und wurde dem Rat der Samurai unterstellt. Yoshitsune baute nach Zuteilung durch den Rat der Samurai ein kleines provisorisches Haus auf einem Hügel. Yoritomo akzeptierte in seiner Organisation den Bund der Grassamen nicht und verteilte Yoshitsunes Stammesangehörigen innerhalb seiner Organisation, damit Yoshitsune keine eigene Unterorganisation innerhalb Yoritomos Machtgefüge besaß. Dennoch kamen aus vielen Provinzen die langjährigen Stammesangehörigen zu Yoshitsunes Haus auf dem Hügel wie der Mönch aus Musashi Benkei, Yoshikazu Adachi, Sagaminosuke Yokoyama, Yoichiro Irima, Taneharu Chiba und Aritsuna Minamoto aus Izu. Yoshitsune lehrte seine Mitarbeiter Gehorsamkeit gegenüber Yoritomo als höchste Kompetenz über ihnen, und übte sich in ehrlicher Bescheidenheit. Yoritomo aber nahm keine Rücksicht auf die Verwandtschaft zu Yoshitsune. Yoritomo führte Yoshitsune vor Augen, dass Yoshitsune einer seiner Stammesangehörigen war wie alle anderen. Beim Richtfest des Schreins Tsurugaoka Hachiman verlangte Yoritomo von Yoshitsune, ein gutes Pferd, das einem Meister der verdienstvollen Zimmermänner verschenkt werden sollte, persönlich an der Leine zu führen und es dem betreffenden Meister zu bringen. Das war eine Aufgabe der zweiten Führungsebene in der Organisation und war in den Augen der anderen Stammesangehörigen unter Yoshitsunes Würde. Yoshitsune führte den Auftrag mit Demut aus, während seine Mitarbeiter sich über diese Maßnahme Yoritomos ärgerten. Yoshitsune bemühte sich stets, von Yoritomo und dessen zahlreichen Stammesangehörigen in der Samurai-Organisation in Kamakura anerkannt zu werden. Doch erst im November 1183 erhielt Yoshitsune von Yoritomo einen geheimen Auftrag. Yoshitsune führte fünf- bis sechshundert Reiter- und Fußsoldaten von Kamakura an und rückte in die Provinzen Omi, Iga und Ise vor. Nach der offiziellen Sprachregelung von Kamakura beschützte Yoshitsune den stellvertretenden Leiter des Amtes des Schreins der Prinzessin von Kamo, Chikayoshi, und brachte die Geschenke der acht Provinzen des Ostens zum Schrein. Yoritomos wahre Absicht lag darin, die militärische Basis für den Angriff von Yoshinaka Kiso aufzubauen und diesen in der Hauptstadt festzunageln. Yoshitsune hielt sich in den Ortschaften in Omi und Iga auf und ließ Gerüchte unter das Volk streuen, dass Kamakuras große Armee im Anmarsch auf Yoshinaka sei. Kamakura entschied am 6. Januar 1184 über den Feldzug gegen Yoshinaka und entsendete fünftausend Mann in Richtungen der Hauptstadt. Die Hauptarmee von über zweitausend Mann wurde Noriyori Minamoto zugeteilt und sollten auf der Straße von Omi nach Seta marschieren. Yoshitsune sollte das Sonderkommando anführen, in die Provinz Ise einmarschieren und von dort aus über Iga nach Uji vorrücken. Yoshitsunes Armee marschierte anderthalb Tage lang vierundsechzig Kilometer durch die Bergregion und tauchte bereits am 19. Januar am Fluss Ujigawa auf. Uji galt als ein schwer zu überwindendes natürliches Hindernis. Der Fluss war tief und floss dort schnell. Die einzige Brücke war bereits von Kisos Armee bis auf das Gerüst zerstört worden. Yoshitsunes Sonderkommando überwand am 20. Januar in einem harten Kampf den Fluss Ujigawa und schlug die Truppen von Yukichika Nenoi und Chikatada Tate nieder. Yoshitsunes Späher fand heraus, dass sich auf der Ebene von Kawachi eintausend Soldaten von Kanemitsu Higuchi versteckt hielten. Yoshitsune befahl Benkei und Yoshimori Ise, diese versteckte Truppe niederzuschlagen. Seine siegreiche Armee kannte nun keinen Halt mehr und marschierte schnurstracks in die Hauptstadt ein. Yoshitsunes Haupttruppe marschierte am 20. Januar 1184 um zwei Uhr nachmittags in die Innenstadt, befreite Goshirakawa aus Kisos Hausarrest und zerstörte Kisos Truppen in der Hauptstadt. Yoshitsune nahm sechs Samuraianführer mit und machte eine Aufwartung bei Goshirakawa. Der Kampf wurde am 21. Januar beendet. Yoshinaka Kisos Armee wurde vollkommen zerstört. Als der Kampf gegen Kiso geschlagen worden war, gönnte Yoshitsune sich einige freie Tage. Er traf sich mit dem Arztehepaar Asatori Abe und Yomogi und erfuhr, wie es seiner Mutter Tokiwa in der Zwischenzeit ergangen war. Yomogi erzählte Yoshitsune weinend, dass den Erzählungen von Bekannten zufolge Tokiwa wahrscheinlich in der Gegend von Ibuki und Sekigahara von Räubern getötet worden war. Außerdem bat Yoshitsune Asatori, in seinem Lager als Sanitärarzt zu arbeiten. Asatori nahm die Berufung aus humanitären Gründen an und zog in Yoshitsunes Quartier ein, wo die Verletzten behandelt wurden. Über die weitere Strategie, wie sie Taira niederschlagen wollten, gab es heftige Diskussionen im Hof des ehemaligen Tennos. Die Adeligen kamen nach ganztägigen Beratungen, bei denen die Samurai nicht beteiligt waren, zu keinem Beschluss. Auch innerhalb von Minamotos Armee war Noriyoris Armee eher vorsichtiger und wollte die Armee vor dem Angriff aufstocken. Yoshitsune wurde ungeduldig, legte am 26. Januar 1184 den Samuraianführern einen überzeugenden Plan dar und überzeugte sie vom sofortigen Angriff gegen Tairas Streitkräfte. Minamotos gesamte Armee von dreitausend Mann zog am 29. Januar nach Oeyama und bereitete sich auf den Feldzug gegen Taira vor. Wieder wurden zwei Armeen gebildet; Yoshitsune führte ein eintausend Mann starkes Sonderkommando an und nahm die Straße nach Tanba, Kameoka, Sasayama, Onohara und zum Pass Hiyodorigoe. Die Hauptarmee mit zweitausend Reiter- und Fußsoldaten wurde von Noriyori Minamoto befehligt. Sie sollten von Koyano in der Provinz Settsu über Nishinomiya und Ikutagawa nach Westen vormarschieren.