Yoritomo Minamoto: Dritter Sohn von Yoshitomo. Man nannte ihn nach seiner zuletzt getragenen offiziellen Amtsbezeichnung den stellvertretenden Leiter der Hyoe-Garde. Er war in der Nacht der Niederlage im Krieg von Heiji im Jahre 1160 mit seinem Vater, seinen Brüdern und wenigen Stammesangehörigen nach Osten geflohen, hatte sich ganz allein im Schnee verlaufen und war von seinem Vater und seinen Stammesangehörigen getrennt worden. Auf seiner Flucht wurde er von Munekiyo Taira entdeckt und geriet als vierzehnjähriger Junge in die Gefangenschaft von Taira. Kiyomori Taira entschied sich für seine Verbannung in die Provinz Izu, anstatt ihn zum Tode zu verurteilen. Er war der älteste noch lebende Sohn von Yoshitomo und damit der Stammhalter der Familie Minamoto. Im Jahre 1177 befand er sich bereits achtzehn Jahre in seiner Verbannung in Izu und fristete nach außen hin ein von religiöser Hingabe bestimmtes, isoliertes Leben, bestehend aus dem täglichen Gebet und dem Abschreiben der Heiligen Schrift. An seinem Verhalten und seinen Äußerungen ließ sich überhaupt kein Ehrgeiz erkennen, politisch gegen seinen Erzfeind Taira aktiv zu werden oder Taira sogar vernichten zu wollen. Allerdings war Yoritomo ein Schürzenjäger. Unter seinen vielen Frauengeschichten sticht eine heraus, und zwar seine Beziehung zu Masako Hojo. Diese Liebesbeziehung spielte eine schicksalhafte Rolle für Yoritomo und Masako. Masako hatte sich leidenschaftlich in ihn verliebt. Yoritomo dagegen verfolgte das heimliche Ziel, über Masako den mächtigen Lokalfürsten Tokimasa Hojo, Masakos Vater, für seine Seite zu gewinnen. Yoritomo lernte in Izu auch den Mönch Mongaku kennen, der zur selben Zeit dort in der Verbannung lebte. Nachdem im Mai 1180 der Aufstand Yorimasa Minamotos und des Prinzen Mochihito gegen Taira in Uji niedergeschlagen worden war, erreichte Yukiie Minamoto das Verbannungshaus von Yoritomo in der Provinz Izu und überreichte ihm die Befehlsschrift des inzwischen gefallenen Prinzen, die dazu aufrief, Taira zu vernichten. Yoritomo hatte fast zwanzig Jahre vom Sieg gegen Taira geträumt und sah nun die Zeit gekommen, seine Stammesangehörigen für den Kampf gegen Taira zu mobilisieren. Kiyomori und die mächtigen Lokalfürsten von Taira in den benachbarten Provinzen dachten, dass Yoritomo es nicht wagen würde, sich gegen Taira zu stellen. Er würde weiter ein frommer Buddhist bleiben, glaubten sie. Doch Yoritomo schickte seinen Aufruf zur Mobilmachung an einige Samurai-Stämme im Osten und fand einen starken Verbündeten in der Familie von Masako, nämlich ihren Vater, Tokimasa Hojo. Mit einer kleinen Truppe von etwa einhundert Soldaten überfiel er als erste militärische Aktion das Herrenhaus des Stellvertreters von Taira in Yamaki, Kanetaka Taira, und tötete ihn und seine Mitarbeiter. Yoritomo erfuhr, dass Yorimasa und dessen Sohn Nakatsuna, der Gouverneur der Provinz Izu, zwanzig Jahre lang Armut und Erniedrigung ertragen hatten, um heimlich Waffen und Rüstungen für den Fall seines Aufstandes gegen Taira zu sammeln und in der Verwaltung der Provinz Izu in Mishima zu lagern. Mit diesen Rüstungen ausgestattet, marschierte Yoritomos Truppe nach Osten, um sich in der Provinz Sagami mit dem Minamoto-treuen Lokalfürsten Miura zu vereinigen. Doch Taira bestellte Kagechika Oba, den Taira-loyalen, mächtigen stellvertretenden Gouverneur der Provinz Sagami, zum Oberkommandierenden General. Kagechika befahl weiteren Lokalfürsten wie Sukechika Ito, an der Mobilmachung teilzunehmen. Kagechika Obas große Truppen umzingelten Yoritomos kleine Truppe auf dem Berg Ishibashiyama und besiegten sie vollständig. Yoritomo musste mit seinen engsten Mitarbeitern durch die Berge fliehen. Seine Überlebenschancen gingen gegen Null, denn als er und seine vier Mitarbeiter sich in der Höhle eines alten Baumes versteckten, vermutete der Oberkommandierende General Kagechika Oba, dass dies Yoritomos Versteck sein könnte. Doch ein anderer Samuraianführer von Taira, Kagetoki Kajiwara, lenkte ihn absichtlich von der weiteren Durchsuchung der Höhle ab und rettete Yoritomo vor dem Tod. Yoritomo gelang die Flucht aus den Bergen aufs Meer, wo der Lokalfürst Yoshizumi Miura und seine Stammesangehörigen sein einsames Boot entdeckten und ihn aufnahmen. Yoritomo landete auf der gegenüberliegenden Halbinsel der Provinz Awa. In einer abgelegenen Ortschaft am südlichen Ende der Provinz Awa begann er seine Truppen wieder aufzubauen. Die mächtigen Lokalfürsten im Osten und im Nordosten, die meistens Tairas Ländereien als stellvertretende Gouverneure verwalteten, verfolgten sorgfältig die politische Lage und zögerten mit ihren Zusagen, Yoritomo zu unterstützen. Doch die Zeit der Familie Taira war endgültig vorbei. Als Erster folgte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Chiba, Tsunetane, Yoritomos Aufruf. Mit der vereinten Armee marschierte Yoritomo von der südlichen Spitze der Halbinsel Awa nach Norden, wo der mächtige stellvertretende Gouverneur der Provinz Kazusa, Hirotsune, schließlich zu Yoritomos Armee stieß. Yoritomos Armee, die inzwischen fünftausend Mann stark war, zog in das kleine Fischerdorf Kamakura ein. Dort baute Yoritomo seine Basis auf, die später Sitz der neuen Samurai-Regierung sein würde. Taira entsandte Ende September 1180 eine zehntausend Mann starke Eroberungsarmee nach Osten, um den Aufstand Yoritomos niederzuschlagen. Zum Oberkommandierenden General wurde Kiyomoris Enkel Koremori Taira ernannt. Der stellvertretende General war Kiyomoris jüngster Sohn Tadanori. Als sich Tairas und Minamotos Armeen am Fluss Fujigawa gegenüberstanden, siegte Minamoto dank Yoritomos kluger Taktik. Tairas Armee brach ohne großen Widerstand zusammen und die Soldaten flohen nach Kyoto. Nach diesem großen Sieg kehrte Yoritomo nach Kamakura zurück und widmete sich dort der Befriedung und Festigung der militärischen Macht Minamotos im Nordosten Japans. Yoritomos Halbbruder Yoshitsune stieß aus Hiraizumi zu Yoritomos Feldzug hinzu. Ihre Begegnung am Fluss Kisegawa war das erste Treffen der beiden Halbbrüder. Yoritomo begann mit dem Aufbau einer neuen Samurai-Regierung und ernannte Yoshimori Wada zum Leiter des Rates der Samurai. Seine Basis im Osten musste Yoritomo von Kamakura aus festigen. Sein Onkel Yoshihiro Shida begehrte in den nördlichen Provinzen Hitachi und Shimotsuke gegen Yoritomo auf, weshalb Yoritomo Kamakura nicht verlassen konnte. In Gamagori an der Östlichen Küstenstraße kämpfte Yukiie Minamoto gegen die große Armee von Taira und forderte bei Yoritomo militärische Unterstützung an, die dieser jedoch ablehnen musste. Als Kiyomori 1181 in Kyoto starb, war Yoritomo mit der Befriedung des Ostens beschäftigt. Yoritomo verstand Yoshinakas militärischen Aufstieg in der Nordischen Küstenregion als Bedrohung. Yoritomo, ein Stammesbruder Yoshinakas, konnte für seine Vision keinen Widersacher akzeptieren. Er führte persönlich eine zehntausend Mann starke Armee und griff Yoshinakas Gebiet in der Provinz Shinano an, während Yoshinaka sich in der Nachbarprovinz Ettschu aufhielt. Dieser stammesinterne Krieg zog sich ohne Kampfhandlung in die Länge. Yoritomo und Yoshinaka einigten sich auf ein Waffenstillstandsabkommen, unter der Bedingung, dass Yoshinaka seinen elfjährigen Erben, Yoshitaka, Yoritomo zur Adoption geben würde. Yoritomo zog damit wieder nach Kamakura zurück.