Yorimasa Minamoto: Der alte Samuraianführer der Nebenlinie Minamoto. Yorimasa hinterließ einige bekannte Gedichte und war mehr als ein standhafter Krieger. Er war auch an der Dichtkunst interessiert. Yorimasa trat im Krieg von Heiji als einer der Minamoto-Anführer in die Armee von Yoshitomo ein, fand aber in dessen Aufstand keine Legitimation und kehrte seiner Armee den Rücken. Yoshitomo und die meisten seiner Stammesbrüder verloren die Schlacht und wurden von Kiyomori getötet. Yorimasa wurde als Einziger der Minamoto-Stämme in die von Kiyomori beherrschte Regierung aufgenommen. Er hatte unter Tairas Herrschaft die Leitung des Rüstungslagers inne, lebte Taira treu ergeben und so bescheiden, dass Kiyomori ihm vertraute. Als er vierundsechzig Jahre alt war, wurde er von Kiyomori zum außerordentlichen vierten Rang befördert, in den Hohen Saal zugelassen und damit geadelt. Die Menschen verspotteten ihn als „Hund des vierten Ranges“ und Verräter von Minamoto. So überlebte Yorimasa in der Nachkriegszeit die Herrschaft von Taira und führte in der Hauptstadt das bitterarme, einsame Leben eines alternden Samurais, während alle anderen Samurai der Minamoto-Stämme im Osten in den Untergrund abgetaucht waren. Yorimasa und sein Sohn Nakatsuna, der Gouverneur der Provinz Izu, sparten so viel von den aus der Provinz Izu erwirtschafteten Reisernteüberschüssen wie möglich, kauften damit Waffen und Rüstungen und bewahrten sie in einem Lager auf, um später den militärischen Aufstand von Minamoto, von dem er und seine zwei Söhne Nakatsuna und Kanetsuna ganz für sich träumten, zu finanzieren. Yorimasa ritt immer einen kleinen, unansehnlichen Esel, statt ein seinem Stand angemessenes Pferd zu nehmen. Als die Mönchstruppen den Großen Palast stürmten, an dessen Tor Yorimasa Wache hielt, überredete er die Mönche geschickt, ein anderes Tor anzugreifen, damit er und seine Truppe von dem zu erwartenden Kampf mit Todesfolge verschont blieben. Goshirakawa und seine engsten Mitarbeiter indes hegten einen Umsturzplan gegen Kiyomori Taira und versuchten den alten Samuraianführer für ihre Seite zu gewinnen, aber Yorimasa hielt sich von dem konspirativen Treffen in Shishigadani fern. Als Yorimasa sechsundsiebzig Jahre alt war, wurde er schwer krank. Kiyomori erwirkte für den alten kranken Yorimasa eine Beförderung zum dritten Rang. Goshirakawa schmiedete mit Yorimasa einen neuen Plan zum Aufstand gegen die Tairas, nach dem Prinz Mochihito, Goshirakawas zweiter Sohn, an seiner Stelle die Aufrufschrift für die Minamoto-Stämme verfassen und den Minamotos im ganzen Land den Befehl erteilen sollte, Taira zu vernichten. Im Jahre von 1180 schrieb Mochihito diese Befehlsschrift und gab sie Yorimasa und Yukiie Minamoto. Dieser Plan aber wurde sofort von den Tairas aufgedeckt: Kiyomori mobilisierte unverzüglich seine Soldaten und ließ den Palast des Prinzen Mochihito angreifen. Der Prinz konnte sich gerade noch in den Tempel Onjoji retten. Yorimasa und seine beiden Söhne, alle bis jetzt im Dienst von Taira, zeigten nun ihr wahres Gesicht. Sie waren die ganze Zeit im tiefsten Inneren ihrer Herzen treue Minamoto-Krieger gewesen. Endlich erhoben sie sich nun gegen Taira, marschierten zum Tempel Onjoji und eilten zu dem Prinzen Mochihito zu Hilfe. Yorimasa war der eigentliche Kopf dieses Aufstandes des Prinzen Mochihito, aber dieser Aufstand wurde gleich in Uji, wohin die kleine Truppe von Yorimasa und Mochihito vom Tempel Onjoji auf dem Weg nach Nara geflohen war, am 26. Mai 1180 von Tairas Truppen niedergeschlagen. Der Prinz Mochihito bedauerte sein kurzes Leben, wohingegen Yorimasa mit seinen siebenundsiebzig Jahren zufrieden mit seinem Leben starb. Er hatte es geschafft, sich sein langes Leben lang für die Revanche des Krieges Heiji gegen Taira nützlich zu machen.