Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

ich möchte Ihnen zu Ihrem Lesevergnügen mit diesem hervorragenden Roman von Eiji Yoshikawa gratulieren. Da der Roman sehr umfangreich ist, möchte ich Ihnen meinen Gesamteindruck vorwegschicken, damit Sie auf die Länge vorbereitet sind.

 

„Die Geschichte von Taira – Neue Interpretation“ ist der Historienroman von Eiji Yoshikawa, sein Meister- und Lebenswerk. Der aufstrebende Samuraistamm Taira aus dem 12. Jahrhundert wird nach zwanzig Jahren seiner Herrschaft über Japan von dem Erzrivalen, dem anderen Samuraistamm Minamoto, vernichtet. Die historischen Handlungen sind in den Geschichtsbüchern hinreichend dokumentiert. Zu diesem epochalen Stoff existiert eine über Jahrhunderte überlieferte und niedergeschriebene Fassung auf Altjapanisch, die „Die Geschichte von Taira“ heißt. Eiji Yoshikawa interpretierte die historischen Geschehen neu. Daher der Zusatz – Neue Interpretation -. Man kennt von Eiji Yoshikawa unter anderem den Roman des einsamen Schwertvirtuosen „Musashi“.

 

Von wem will der Historienroman erzählen?

Wir erfahren durch den Roman die großartigen Samurai, die einzigartige Fähigkeiten besaßen und das Land bewegen konnten. Ich bezeichne sie alle als Helden. Zuerst ist Kiyomori Taira zu nennen, dann Yoritomo Minamoto und Yoshitsune Minamoto. Ebenso gehören Yoshinaka Kiso und Yorimasa Minamoto zu den Hauptdarstellern. Diese fünf Samurai waren mit ihren individuellen Eigenschaften die besten Männer seiner Zeit. Wir können mit dem Roman deren Leben von Kindes- bzw. Jugendalter bis zu ihrem Tod verfolgen und sehen, was sie besonders machte.

Dazu kommen ihre Frauen, die mit ihren starken Charakteren für ihre Liebe kämpften. Ihre Leben werden wir auch kennenlernen. Das sind Tokiko, Tokuko bzw. Kenreimonin, Tokiwa, Masako, Shizuka, Aoi und Tomoe.

 

Was will dieser Roman erzählen?

Dieser Roman ist in erster Linie eine Heldengeschichte mit vielen Figuren, die in derselben Zeitperiode in verschiedenen Orten agierten und gegeneinander oder füreinander kämpften. Ihre Handlungen prägten das Land damals und über ihre überragenden Führungsqualitäten ist es hochinteressant zu lesen. Jeder der Helden hat einen anderen Führungsstil. Doch jeder offenbarte nach ihren besten Jahren individuelle Schwächen und Laster, die zu ihrem Untergang führten. Die Helden kamen und gingen, auch so herrlich sie waren. Damit ist die Erzählung ein Kriegsroman. Unsere Helden sind hervorragende Feldherren. Jeder der Helden entwickelte auf seine Weise erfolgreiche Strategien und gewann die Schlachten. Ganz besonders ist die Art der Waffen und der Kämpfe, die einzigartig in Japan war. Die Samurai waren stolz auf ihre Rüstung, Schwerter, Bogen und Pfeile. Sie präsentierten sie selbstbewusst bei jedem Kampf und Duell.

Gleichzeitig werden rührende Liebesgeschichten erzählt. Die Frauen der Helden, Tokiko, Tokuko bzw. Kenreimonin, Tokiwa, Masako, Shizuka, Aoi und Tomoe sind zarte Geschöpfe mit starkem Willen, die sich für ihre Liebe durch die raue Zeit kämpften. Diese Charaktere sind weitere interessante Aspekte des Romans.

 

Warum hat der Autor gerade diesen Historienroman geschrieben?

Als der Tenno Showa am 15. August 1945 per Rundfunk den schrecklichen Zweiten Weltkrieg in Japan als beendet erklärte und das Land der aufgehenden Sonne vor der Alliierten Armee bedingungslos kapitulierte, verloren die Japaner ihren Glauben an ihre von den Göttern geschützte, bis dato niemals besiegte Nation und an ihren Tenno, den lebenden Gott, der sich niemals irren durfte, aber doch das Land und das Volk in den Abgrund der unvorstellbaren Zerstörung und der Verwüstung der japanischen Seele stürzte. Eiji Yoshikawa konnte mehrere Jahre lang nicht seinen Füller in die Hand nehmen. Er war so enttäuscht und niedergeschlagen.

Endlich, im Jahre 1950, fünf Jahre nach dem Ende des Krieges, begann er in seinem von vielen Pflaumenbäumen umgebenen Landhaus nahe Tokyo, wohin er vor den Bombenangriffen des Krieges geflüchtet war, diese „Geschichte von Taira – Neue Interpretation -“ zu schreiben. Er zeigte den sich im Nachkriegschaos aufrappelnden Japanern, wo sie hergekommen sind, wie ihre Vorfahren waren und wie sie eigentlich sein sollten, woran sie längst vergessen hatten zu glauben. Die hungernden aber lebenslustigen Japaner saugten diese Geschichte bereitwillig auf, litten mit Kiyomori Taira, Yoritomo Minamoto und Yoshitsune Minamoto mit und freuten sich über die warmherzigen Menschen in der Geschichte, jede Woche aufs Neue, denn der Roman erschien in einer Wochenzeitschrift, jede Woche, sieben Jahre lang. Diese Geschichte begleitete die Menschen im Nachkriegsjapan sieben Jahre lang. Es war ein großer Erfolg, sodass der gesamte Roman im Jahre 1989 in Form von sechzehn Taschenbüchern erschien. Die Japaner waren ihm für seine kraftzehrende Schriftstellerarbeit sehr dankbar. Einige Verfilmungen folgten und die Materie wurde bis in die jüngste Gegenwart immer wieder in den japanischen Fernsehserien ausgestrahlt. Eiji Yoshikawa erhielt für diesen Roman wichtige Literatur- und Kulturpreise von Japan.

 

Der Aufbau der ersten Samurai-Regierung von Kamakura

Der Roman erzählt, wie Kiyomori Taira den mächtigen adeligen Beamten von Fujiwara die Regierungsmacht unter dem Tenno entrissen hat. Aber Kiyomori hat das Verwaltungssystem nicht erneuert. Erst Yoritomo Minamoto, den Kiyomori zuerst aus der Hauptstadt auf die Halbinsel Izu verbannt hatte, gelang es, eine bis dahin nie dagewesene Samurai-Regierung aufzubauen, und so den Tenno und die Adeligen zu machtlosen Figuren zu degradieren. Yoritomo wurde am Ende des Romans der erste Shogun Japans. Aber bis dahin mussten die Samuraianführer von Minamoto zu demselben Ziel ihren Beitrag leisten und ihre Opfer bringen. Dieser lange Weg ist nach meiner Meinung einer der interessantesten Stoffe für die Leser.

 

Der Friedensappell des Autors

Man freut sich mit den Helden über ihre gewonnenen Schlachten. Man gönnt den Frauen glückliche Momente mit ihren Männern, das zeichnet diesen Roman aus. Doch der Autor lenkt immer wieder das Augenmerk der Leser darauf, dass jeder Krieg viele unschuldige Opfer verlangte, und dass Bauern, Handwerker und Bürger vor den Schlachtfeldern flohen und ihr Hab und Gut verloren. Das Glück des Volkes blieb auf der Strecke. Aber selbst so geniale Helden starben am Ende ihren tragischen Tod und brachten keinen dauerhaften Frieden.

Den wahren Weg zum Frieden lebt im Roman Asatori Abe vor. Er saß am Ende des letzten Bandes 21 mit seiner Frau Yomogi auf dem Berg von Yoshino und genoss den friedlichen Frühling, da waren der von Kiyomori Taira so erfolgreich aufgebaute Stamm Taira und dessen Erzfeind Yoshitsune Minamoto und der Sieger des Krieges Yoritomo Minamoto längst den tragischen Tod gestorben.

Also dieser Roman sendet den Nachkriegsjapanern einen Friedensappell. 

 

Ich möchte Ihnen zum Schluss etwas von meiner Übersetzungsarbeit erzählen.

Der gesamte Roman besteht im Original aus sechzehn bzw. zwanzig Taschenbüchern, je nach dem Verlag Kodansha oder Shinchosha. Meines Wissens werden einige Romane von Eiji Yoshikawa, wie „Musashi“ und „Taiko“ von den Lesern gut angenommen. Aber die englische und die aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte Fassung sind ein Auszug ihres japanischen Originals, eine Zusammenfassung. Diese 21-bändige deutsche Ausgabe gibt ungekürzt den Originalroman wieder.

Eine neue Verlagsform Self-Publishing hat mich davon überzeugt, dass diese Verlagsform am besten meinem Anliegen passt. So sind vom Verlag Books on Demand GmbH bis jetzt sechzehn Bände erschienen. Die Leser haben bis jetzt über 1000 Bücher über alle Bände gekauft.

Ich hoffe sehr, dass es mir einigermaßen gelungen ist, Ihnen den oft sehr komplizierten historischen Sachverhalt nachvollziehbar zu beschreiben und die damaligen Sitten und Bräuche verständlich darzustellen. Insbesondere ist es für den Roman von großer Bedeutung, die überwältigende Gefühlswelt, die der Autor mit seiner einzigartigen literarischen Meisterarbeit zu Papier gebracht hat, durch meine Worte den deutschsprachigen Lesern greifbar und nachfühlbar zu machen.

Mit diesem Roman bekommen Sie einen kleinen Einblick in die japanische Kultur und die Seele der Menschen

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

 

Yutaka Hayauchi 

Leverkusen, dem 09. September 2021